Im September 2009 ist Erica Meli's Buch «Sterben in Achtsamkeit, liebevolle Begleitung auf dem Weg in eine andere Welt» im Aquamarin Verlag, nahe München, erschienen. Nach der Ausbildung zur Krankenschwester liess sie sich zur Intensiv-Schwester, zur Pflegerin von HIV- und AIDS-Patienten und zur Sterbebegleiterin ausbilden. Nebst der beruflichen Tätigkeit und Familienpflege war ihre Weiterbildung im medizinischen, pflegerischen, medialen und transzendentalen Bereich besonders wichtig. Kurse ab solvierte sie in der Schweiz und im Ausland. Seit einigen Jahren wirkt sie als Seminarleiterin im Lehrerteam der Schweizerischen Vereinigung für Parapsychologie in Bern und gibt zukünftigen Heilern und Medien ihr Wissen weiter.
Wie sie selber schreibt: «Meine langjährige Erfahrung in der Begleitung Schwerkranker und Sterbender sowie eine tiefgreifende Erfahrung beim Sterben eines Patienten liessen mich die Dimension des Sterbens, des Übergangs, besser kennen und erfahren. Mein Weg durch 40 Jahre Krankenpflege führte mich in viele, oft schwierige menschliche Situationen und Lebensthemen, die ich wegen dem Beruf als Krankenschwester nun mal zu meistern hatte.» In den Seminaren bei C&H Bürer in Worb, die ihr besonders am Herzen liegen, sind immer mehr Pflegepersonen mit dabei. Das Buch «Sterben in Achtsamkeit» wendet sich ja auch speziell an diese Berufsgruppen. Es ist kein parapsychologisches Werk. Gerade diese Erfahrungen als Krankenschwester, die ja näher dem Patienten als sog. direkter «Handwerker» steht als z. B. ein Arzt, geben einen Einblick in das Leben einer spirituell Suchenden, die die Wahrheit des Lebens und des Todes erforscht. Sie ist eine Pionierin, die ihren Beruf zur Berufung als Sterbebegleiterin weiterentwickelt hat und sich unaufhörlich für eine neue Sterbekultur in unserer Gesellschaft engagiert. Erica's Buch versteht sich als Beitrag dafür, dass Sterben und Sterbebegleitung - oft von Fremden in der Nacht - keine Tabu-Themen mehr sind, sowohl für Schwerkranke als auch Angehörige. Jene Tage und Stunden, in denen eine Geistseele ihre physische Hülle ablegen darf, um zurückzukehren in eine höhere Welt, sind ganz besonders heilige und empfindliche Augen blicke, die zutiefst berühren können und ewig in Erinnerung bleiben. Diese Erinnerungen tragen und helfen uns in der Trauerarbeit im besten Fall als kostbares Juwel. Die Geschichte von Erica macht die Erfahrung deutlich, dass die Berufung zur Sterbebegleiterin vor allem bedeutet, sich ganz hinzugeben und spirituell zu wachsen. Diese Entwicklung bedarf nicht nur viel Erfahrung des Hingebens, sondern auch Demut, um nichts mehr für sich selber zu wollen und als Mensch nur für den Sterbenden da zu sein. Es gibt keine Allerweltrezepte, wie man stirbt oder Sterbende begleitet. Die Erkenntnis, dass wir nichts tun können, ausser dem physischen Körper.
Linderung bei Schmerzen zu verschaffen, ist eine Seite. Die andere - und wichtigere - Seite ist es jedoch, unser ganzes menschliches Wesen einzubringen und damit Herzenswärme und Geborgenheit zu schaffen.
Erica's Buch erlaubt dem Leser - nebst sehr humorvollen und persönlichen Erlebnissen mit Patienten - tiefgehende Einblicke in die Art und Weise, wie Menschen jeden Alters und jeder Gesellschaftsschicht auf individuelle Weise sterben. Im Volksmund sagt man ja auch: «So wie man lebt, so stirbt man.» Jeder stirbt seinen eigenen Tod. «Für mich zählt am Sterbebett kein Wissen und kein Können mehr. Da gibt es keine Anleitung, wie er/sie es machen soll. Niemand ist bemächtigt, einem Tod kranken zu sagen, wie er gehen soll. Je de Seele kennt ihren Weg und geht ihn auch ohne menschliche Hilfe. Wer Hilfe benötigt, ist der physische Körper und die Persönlichkeit des Menschen. Der Körper kann sehr leiden, bis der Austritt geschafft ist,» schreibt Erica in ihrem Buch.
Weiter schreibt sie: «Oft werde ich bewundert, dass ich Sterbebegleitung mache. Viele Leute sagen mir, sie könnten es niemals! Dann erzähle ich ihnen die Geschichte vom Berg und Gipfel. Ich er kläre es so: Du kannst niemanden auf den Berg helfen, ohne selbst dem Gipfel nahe zu kommen. Man gibt so viel, es kommt aber auch viel zurück. Wie auch beim Bergsteigen, fordert es viel. Es kann sehr anstrengend sein, und ich stosse auch immer wieder einmal an meine Grenzen. Mein Vertrauen zu meinem christlichen Glauben und seiner Mystik, jedoch auch meine Offenheit den unterschiedlichen Weltreligionen gegenüber, geben mir Kraft und Ruhe, Trost und Hoffnung für meine Arbeit. Ich bin durch meine Erfahrungen am Sterbebett so weit gekommen, dass ich manchmal denke, die Sterbenden brauchen nicht nur unsere Hilfe, wir bedürfen ebenso ihrer Hilfe. Sie zeigen uns, wie man es schafft! Es ist für alle Beteiligten eine grosse Chance und ein grosses Geschenk, wenn man dabei sein darf. »Die Kraft und Ruhe für eine solche Arbeit ist gar nicht selbstverständlich: man muss ja die Ereignisse im Beruf als normaler Mensch mit Privatleben auch selber verarbeiten und damit klarkommen. Erica schreibt natürlich und ausgiebig über ihre eigenen Ängste u. a. in den Kapiteln «Meine erste Patientin stirbt, «Vertrauen und Angst vor Fehlern» «Makabre Verwechslung», «Wie ich Hebamme wurde», «Der Umgang mit der Angst», «Die Angst vor der Angst», was ich persönlich besonders wertvoll in ihrem Buch empfunden habe; man schreibt selten so offen darüber und Angst hat jede. Ihre panische Angst vor dem toten Körper hatte ihre Wurzeln in der Kindheit, wo sie als Kind noch vor dem Schulalter in der Aufbahrungshalle eines nahe gelegenen Krankenhauses etwas Schreckliches sah, was ihr als Kind absolut verboten gewesen wäre. Aus diesem Grund konnte sie es auch niemandem verraten und sich entlasten, sondern verdrängte es ins Unterbewusstsein, was ihr Albträume und unnatürlich grosse Angst in der Zukunft verursachte. Diese Angst musste sie wiederholt überwinden, sonst hätte sie doch gar nicht als Krankenschwester arbeiten können.
Das Buch von Erica ist eine Mischung von Autobiografie und Ratgebung. Sie behandelt offen und direkt verschiedene Lebensthemen und gibt aus ihrer Sicht konkrete Ratschläge auf den Wege ins Licht, u. a.: «Gedanken, die den Prozess des Loslösens erleichtern», «Warum sterben einige Menschen so schwer?», «Wie spricht man zu Sterbenden und Angehörigen?», «Hilfe und Hoffnung bei einem plötzlichen Todesfall», «Worauf soll ich achten, wenn ich Sterbebegleitung machen möchte?», «Kulturelle und religiöse Vorschriften», «Die Patientenverfügung» etc. Aber Erica gibt auch Einblick in ihre eigene Entwicklung des langsamen Werdens durch ihre schmerzhaften Verluste in ihrem Privatleben, nebst anderen Gedichten und Zitaten schreibt sie ein Gedicht für das versagte Mutterglück nach der Totgeburt ihres dritten Kindes. Meines Erachtens muss eine Sterbebegleiterin selber sehr trauererfahren sein, um andere in ihren Verlustschmerzen beistehen zu können.
Drei Jahre lang hat Erica ihre Erfahrungen niedergeschrieben und einen stillen Traum gehegt, dass sie irgendeinmal nach der Pensionierung ihre Texte gerne veröffentlicht sehen möchte. Sie hat ihren Cousin Christoph Bürer gefragt, ob er jemanden wüsste, der ihr beim Lektorieren helfen könnte. Auch hätte sie gerne eine Mentorin, die sie da bei unterstützen würde, wenn der Mut sie verlassen würde. So bekam ich vor zwei Jahren plötzlich einen Anruf aus Schaffhausen. Ich war gerade mit meiner zweijährigen Ausbildung von Medialität und Heilen fertig und machte Gedanken über den nächsten Schritt, in welche Richtung mich wohl meine eigenen medialen Kenntnisse und Bedürfnisse führen würden. Und so gingen wir ans Werk zur Optimierung der Sprache. Mit grosser Spannung sandte ich das Manuskript an verschiedene Verlage nach Deutschland und in die Schweiz. Eines Tages kam der erhoffte Anruf von Dr. Peter Michel vom Aquamarin-Verlag aus Deutschland: Jawohl, er will es und ist bereit, den Text als Buch zu veröffentlichen! Später teilte Dr. Michel mit: «Ich habe Ihr Buch inzwischen lektoriert. Es waren nur ein paar Kleinigkeiten und ‚schwyzerische Redewendungen'. Ansonsten war es ausgezeichnet und hat mir sehr gefallen. Wir wer den uns sehr bemühen, es überaus er folgreich zu machen!» Das Buch ist am 10. September 2009 schön präsentiert pünktlich erschienen, zwar nicht mit dem ursprünglichen Titel «Wir sind uns begegnet», sondern «Sterben in Achtsamkeit», weil das Hauptgewicht auf der Ratgeberfunktion liegen soll.
Erica Meli, die als Krankenschwester über viele Jahrzehnte Menschen in den schweren Stunden des Abschiednehmens begleitet hat, legt mit diesem Lebenswerk ein wunderbar feinfühliges Buch vor, um jene schicksalhaften Momente wach und bewusst zu durch leben. Sie gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Vereinigung zur Begleitung Schwerkranker in Schaffhausen und ist weiterhin in der Aus- und Weiterbildung der freiwilligen Helferinnen und Helfer tätig. Dabei bleibt es bei ihr aber nicht nur bei der reinen Lehrtätigkeit, sondern sie sieht ihre Aufgabe viel mehr auch am Bett von Schwerkranken und Sterbenden. Mit diesem Buch schenkt sie jenen einen lichtwärts führenden Ratgeber, die Abschied nehmen wollen, und vermittelt denen einen stärkenden und ermutigenden Trost, die einen geliebten Menschen weiterziehen lassen müssen.